Neue Datenschutz-Reform der EU

Wenn die EU irgendeine Gesetzgebung oder etwas ähnliches aushandelt, kam m.E. bisher so gut wie nie etwas Gutes heraus. Auch die neue Datenschutz-Reform ist auf den ersten Blick eine Maßnahme, die vielleicht gut gemeint, aber vollkommen an der Realität vorbei zielt und die eigentlichen Probleme verkennt – soweit ich das verstanden habe. Das Ziel der neuen Reform ist wohl, dass Internet-Nutzer in Europa einheitlich behandelt und vor allen Dingen mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten bekommen. In Zukunft sollen überall in der EU die selben Datenschutz-Standards gelten. Das zielt explizit gegen Auswüchse wie die Ansiedelung von Facebook Europa in Irland mit seinen extrem niedrigen Datenschutzstandard. In Zukunft sollen Kunden – wenn sie das wollen – mehr Klarheit darüber bekommen, was mit ihren persönlichen Daten genau passiert. Dazu gehört, dass sich Unternehmen explizit die Zustimmung der Nutzer einholen, wenn sie deren Daten verwenden wollen. Unternehmen sollen ihre Angebote im Web so voreinstellen, dass sie datenschutz-freundlich sind (muss mal schnell lachen). Erst einmal hört sich das auch alles vielleicht ganz gut an. Aber warum lehne ich als alter Datenschützer (nach meinem Selbstverständnis) den Kram dann ab?

  1. Die ganze Reform ist viel, viel zu kompliziert. Aber was kann man von der EU auch anderes erwarten?
  2. Die Reform blockiert das Web. Schon jetzt ärgere ich mich über Seiten, die immer wieder auf die Verwendung von Cookies hinweisen und meine Zustimmung einfordern. Das ist lästig und wird durch den Massengebrauch sowieso nur ignoriert. Leute – jeder wird im Web nach Strich und Faden getrackt. Wer das nicht will, muss sich schützen (wenn er das kann) oder soll nicht ins Internet gehen.
  3. Firmen mit Web-Ausrichtung werden gegenüber Konkurrenten außerhalb der EU massiv benachteiligt. Das ist wie beim Dopping – alle machen das und diejenigen, die selbstgerecht sauber sind, verlieren. Toll – dafür kann man sich nichts kaufen außer der Schadenfreunde der anderen. Diese Selbstbestrafung der EU ist mal wieder ganz toll. Die sollen lieber gegen TIPP kämpfen und endlich mal die wirklichen Interessen von Europa und seiner Bürger im Auge behalten.
  4. Die Reform geht am Problem vorbei. Das Problem sind nicht Firmen, die Daten sammeln und verwerten. Das Problem sind dumme Anwender, die diese Daten bereitwillig bereitstellen und hinterher jammern. Wer laut aus dem Fenster ruft, kann ja auch nicht fordern, dass niemand zuhört. In Deutschland braucht man für alles und jedes einen Schein oder Zertifikat. Nur das Internet kann Hinz und Kunz ohne Sinn und Verstand benutzen und sich dann beschweren, dass man ausspioniert oder geschädigt wurde. Leute – das Internet ist kein Ponyhof, sondern eine Schlangegrube und so muss man sich da bewegen. Wir brauchen keine Gesetze, die vor dem Trocknen der Katze in der Mikrowelle oder der Feuergefahr bei Streichhölzern warnen. Wir brauchen eine grundlegende Ausbildung von Anwendern, die das Internet nutzen wollen. Vielleicht nach dem Verfahren bei Winterreifen – wer die grundlegenden Prozesse im Internet nicht verstanden hat (mit einem Nachweis oder einer Prüfung), surft vollkommen auf eigene Gefahr und hat im Schadensfall die Konsequenzen zu tragen.

Kommentar verfassen