Ich erstelle seit bald 20 Jahren Video- bzw. Onlinetraining. Zuerst für Video2Brain, was dann irgendwann zu Lynda und letztendlich zu Linkedin Learning wurde. Jeweils durch Übernahmen. Über diese Zeit sehe ich für mich zwei große Zäsuren. Damit meine ich nicht die beiden Re-Brandings.
- Als ich 2007 die ersten Videotraining für Video2Brain erstellt habe, waren das DVDs. Als erste große Zäsur sehe ich für mich den Wechsel weg von der physischen DVD hin zu Onlinetraining.
- Die zweite Zäsur ist für mich das Auftauchen von KI bzw. strenggenommen LLMs im Massenmarkt.
Beide Einschnitte haben für mich keine abrupten Veränderungen bewirkt, aber über eine gewisse Zeitspanne meine Aufnahmen von Trainings massiv beeinflusst.
Die erste Zäsur hat hierbei mehr die Anzahl der Videoproduktionen, die Länge der Trainings, die Nutzerzahlen und die Beschleunigung des Produktionsprozesses betroffen. Die konkreten Themen haben sich aber davon unberührt weitgehend um Programmierung gedreht und wurden nur von der Entwicklung dieser Sprachen beeinflusst.
Die zweite Zäsur, die aktuell immer noch ausstrahlt, verändert für mich jedoch die Auswahl der Themen an sich. Meine Kernkompetenzen waren (und sind) Programmiersprachen. Deshalb habe ich ja sehr viele Videotraining zum Lernen von Programmiersprachen aufgenommen. Java, JavaScript und vor allen Dingen Python, aber auch C#, Cobol, Perl, Fortran, F# und noch ein paar andere.
Nur wenn ich die Videotraining betrachte, die ich bisher im Jahr 2026 veröffentlicht habe (WebAssembly (Wasm) lernen – Einstieg mit Python, Wenn KI programmiert: Was Sie trotzdem verstehen müssen, KI in der Praxis: Von Bildern und Videos zu echten Erkenntnissen und zuletzt Quantencomputer verstehen – Grundlagen in 30 Minuten), stehen Programmiersprachen nicht mehr im Fokus. Teils noch als Technik zur Umsetzung wie Python bei WebAssembly (Wasm) lernen – Einstieg mit Python oder KI in der Praxis: Von Bildern und Videos zu echten Erkenntnissen, aber bei Quantencomputer verstehen – Grundlagen in 30 Minuten etwa gar nicht mehr.
Ich sehen den Hintergrund, dass sich die Bedeutung und der Umgang mit Programmiersprachen durch das Auftauchen von KI und LLMs massiv geändert hat. Als Trainer muss ich mich damit auch weiterentwickeln. Also nicht nur Trainings erstellen, in denen man Programmiersprachen lernt. Ich bin mittlerweile in der glücklichen Situation, dass ich mir dabei die Themen danach aussuchen kann, was mich selbst interessiert. Natürlich hoffe ich, dass ich damit auch eine relevante Zielgruppe erreiche. Aber tatsächlich wähle ich nach Interesse, Lust und natürlich auch meiner Kompetenz aus.
Nur wenn man genauer hinschaut, bin ich diesen Pfad neben Trainings zu konkreten Programmiersprachen parallel schon lange gegangen. Zwar waren diese Trainings von der Anzahl geringer als meine Trainings zu Programmiersprachen. Aber wenn man das etwas flexibel sieht, kann ich auch vor 2026 seit über 10 Jahren Trainings auflisten, die Themen aus dem Umfeld der Programmierung und nicht konkrete, einzelne Programmiersprachen betreffen. Einige sind mit zwar Python gekoppelt, aber nur als Sprache zur Umsetzung für ein anderes Kernthema:
- Python in Excel: Ein erster Blick
- Kryptografie und Steganografie mit Python
- Daten aus Tabellenkalkulationsprogrammen mit Python bearbeiten
- Python: Statistische Auswertungen
- Python: Geometrische Berechnungen
- Python für die Datenanalyse 1: Grundlagen
- Python für die Datenanalyse 2: Machine Learning
Interessanter Weise geht es da aber auch schon seit über 10 um viele Kerntechniken und Grundlagen von von KI und LLMs und mein erster reiner von Kurs zur Arbeit mit LLMs wie ChatGPT ist ja auch schon in der ersten Version von 2023.
Andere Kurs von mir waren sogar explizit von konkreten Programmiersprachen entkoppelt und zum Teil Grundlagenthemen, die in KI und Vibecoding unabdingbares Basiswissen darstellen:
- Code mit KI optimieren
- Reguläre Ausdrücke lernen
- KI-unterstütztes Programmieren mit OpenAI und ChatGPT
- Mathematik-Grundbegriffe für Programmierer
- UML: Anwendungsfall-, Objekt- und Sequenzdiagramme UML
- Klassendiagramme mit UML
Von daher ist mein Weg, den ich seit Anfang des Jahres als Neuausrichtung nehme, nicht wirklich neu. Nur war er bisher „schmaler“ als der Weg mit den konkreten Programmiersprachen.
Wobei ich erwarte, dass die Bedeutung des Lernens von Programmiersprachen im Moment nur eine Delle hat und die Nachfrage massiv wachsen wird, wenn die Verantwortlichen erkennen, dass KI nur ein Werkzeug und keine eigenständige Lösung ist. KI ist wie ein Hammer. Den muss jemand führen, der damit auch einen Nagel in die Wand schlagen kann.
Viele Verantwortliche und Träumer scheinen zu glauben, dass der Hammer selbst den Nagel in die Wand schlägt und vor allen Dingen auch erkennen kann, was ein Nagel ist und die Wand von einer Scheibe unterscheiden kann. Wenn dieser Unsinn genug Schaden angerichtet hat, wird das Erlernen von Programmiersprachen und Programmierfähigkeiten wieder den Stellenwert bekommen, der angemessen ist.