Gerade gab es einen Beitrag in meiner lokalen Zeitung, dass hier ansässige Gastronomen in einen Skandal über Steuerhinterziehung verwickelt wären. Dabei wurde gleich Bargeld diskreditiert, was diese Möglicheit eröffnet hätte. Aber „Nur Bares ist Wahres“. Dieser Spruch gilt weiterhin und ich möchte – zugegeben provokant und überspitzt – eine Lanze für Bargeld zu brechen. Beginnen will ich mit einem berühmten Zitat von Brecht:
Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?
Daraus leite ich ab:
Was ist Steuerhinterziehung in der Gastronomie (oder vergleichbaren Größenordnungen) gegen die Steuerhinterziehung von Großkonzernen durch alle möglichen Optimierungstricks?
Gerade US-Tech-Firmen zahlen bei uns so gut wie keine Steuern und das ist legal?! Die unbestritten vorhandene Steuerhinterziehung aufgrund von Bargeld ist m.E. nur ein Alibi-Argument, um Bürger mehr kontrollieren und überwachen zu können. Die Dealer der schönen, neuen Digitalwelt befeuern diese Tendenz, weil es ihnen natürlich nutzt.
Nur wie bekommt man Bürger vom Bargeld weg? Durch negativen Content, der Bargeld diskreditiert und weiteren Content sowie aktive Maßnahmen zum Fördern von bargeldlosen Bezahlen und Behindern von Bargeldtransaktionen.
Aber Bargeld ist Freiheit, bargeldloses Bezahlen ist eine Droge. Ich gebe zu, dass ich selbst immer mehr dieser Droge der Bequemlichkeit erliege. Es ist ja so einfach und bequem, wenn nicht mal wieder die Infrastruktur offline ist. Wie das Einwerfen einer kleinen Pille, um dann die ganze Nacht durchtanzen zu können.
Nur eigentlich sollte man immer(!) Bargeld nehmen, wenn es möglich ist. Ich spreche nicht von Überweisungen oder dem Kaufen im Internet. Aber immer dann, wenn man Bargeld verwenden kann und stattdessen bargeldlos bezahlt, schlägt man aus meiner Sicht einen weiteren Sargnagel in die Freiheit unserer Gesellschaft ein.
Ich empfinde es als extrem gefährlich und auch verwerflich, dass Bargeld immer mehr von interessierten Kreisen mit Steuerhinterziehung verbunden wird. Natürlich kann Freiheit missbraucht werden, aber deshalb die Freiheit aufgeben zu wollen, ist absolut nicht zu tolerieren.
Zudem hat die Bequemlichkeit des bargeldlosen Bezahlens immer einen versteckten Preis, den Viele aus Unkenntnis oder Sorglosigkeit gar nicht sehen bzw. beachten. Wer bargeldlos bezahlt, bezahlt immer mehr als die eigentliche Summe.
Niemand stellt die Infrastruktur für bargeldlose Transaktionen umsonst bereit. Es verdienen immer irgendwelche Organisationen mit, was erst einmal nicht illegitim ist. Aber vor allen Dingen bezahlt man nicht nur diesen versteckten Prozentsatz an dem eigentlichen Warenwert (der over-all ein Produkt indirekt verteuert), sondern zudem mit Daten. Und das ist der höhere Preis und m.E. zumindest verwerflich.
Auf der einen Seite haben wir mittlerweile erkannt, dass Abhängigkeit von US-Konzernen und den ganzen Tech-Bros oder China hinsichtlich KI, Suchmaschinen, Cloud-Diensten oder Software wie Betriebssystem oder Office-Programm ein Riesenproblem ist. Selbst die Reflektion bei (a)sozialen Netzwerken nimmt zu.
Und auf der anderen Seite begeben wir uns mit bargeldlosen Bezahlen genau in die gleiche Abhängigkeit von irgendwelchen Organisationen, die ich manchmal lieber als Drogendealer, denn als seriöse Unternehmen bezeichnen würde. Und wir überlassen denen zig Daten, die diese missbrauchen (können)?).
Ich bin nicht auf einer Mission, um die Leute zu bekehren, die sich freiwillig diese Droge der Bequemlichkeit reinziehen. Aber es geht mir massiv gegen den Strich, dass aufgrund von Bequemlichkeit und Sorglosigkeit die Akzeptanz von Bargeld immer mehr reduziert wird. Das geht gar nicht. Deswegen mein Eingangssatz. JEDE (notnötige) bargeldlose Bezahlung ist eine zuviel, weil der Anteil der Bargeldtransaktionen damit abnimmt und nach und nach unsere Freiheit weiter eingeschränkt wird.