Jedes System wird so lange optimiert, bis nichts mehr geht

Heute habe ich mir über Stunden den Wolf gesucht, warum mein Aufnahme-Kit keinen Ton zum Rechner geschickt hat. Ich habe für meine Remote-Aufnahmen bei LinkedIn Learning ein geniales USBPre 2 Sound Device samt supertollem Beyerdynamic DT 297 PV/250-Headset mit Mikro. Eine Erste-Sahne-Ausstattung, die es mir erlaubt von zuhause Videotrainings zu erstellen, wenn ich entweder keine Zeit habe, um mehrere Tage noch Graz zu fliegen, oder aber – wie in der aktuellen Corona-Katastrophe – alle Vor-Ort-Aufnahmen gestoppt wurden. Die überwiegende Zahl meiner Trainings habe ich in Graz aufgenommen, aber auch schon ein paar remote. Mit dem genannten Kit bzw. dessen Vorgänger. Und wegen der Corona-Absage ziehe ich eben die remote-Option für nächste Woche und nehme halt zuhause statt wie geplant in Graz auf.

Dachte ich, nur dann habe ich das Aufnahme-Kit halt heute bei meinem Testlauf nicht zum Aufnehmen gebracht. Wobei ich mir sicher war, dass alles bis vor Kurzem funktioniert hat.

Das Device wurde zwar am Rechner erkannt und auch ganz normal der Sound auf die Kopfhörer geschickt. Ebenso wurden meine Aufnahmen am Gerätepegel angezeigt. Nur der Rechner hat kein Tonsignal bekommen bzw. mein Aufnahmeprogramm als auch alle anderen Programme, die ich so über den Tag getestet habe, haben kein Signal bekommen.

Ich habe mehrere Stunden rumgetestet und so alles gemacht, was mir an möglichen Troubleshootingmaßnahmen eingefallen ist (und genau deshalb ist es nicht unkritisch, wenn man remote arbeitet – wenn was nicht geht, hat man in Graz sofort Hilfe – remote ist man erstmal auf sich gestellt):

  1. Alle Knöpfe und Regler am Gerät kontrolliert.
  2. Alle Knöpfe, Anschlüsse und Regler am Gerät in allen denkbaren Konfigurationen durchprobiert.
  3. Alle Kabel, die ich selbst auch habe, sowie das Mikro und sogar den Kopfhörer getauscht.
  4. Das Kit an 3 verschiedenen Windows-10-Rechnern getestet.
  5. Obwohl es explizit als unnötig gilt, einen alternativen Treiber installiert.
  6. Im Aufnahmeprogramm alle Optionen einzeln kontrolliert.

Resultat – NULL.

Dann habe ich mich remote aus Graz vom Techniker unterstützen lassen. Ich kam einfach nicht weiter. Wir haben vom neuen Umswitchen der Jumper am Device bis zu den oben genannten Schritten alles wiederholt.

Resultat – NULL.

Ich hatte zwischenzeitlich meinem Rechner mal mit Dual-Boot Linux hochgefahren:

Resultat – unter Linux geht das Kit scheinbar. Aber sicher war ich nicht, ob nicht das interne Mikro da in die Irre geführt hab. Den Gedanken habe ich also erstmal nicht weiter verfolgt, weil genau in der Phase die Remote-Unterstützung aus Graz da war.

Wir hatten uns irgendwann darauf geeinigt, dass ich ein älteres Kit als Austauschhardware zugeschickt bekomme, um nächste Woche überhaupt was machen zu können. Eventuell doch ein Hardware-Problem…

Aber ich war so gefrustet und kann vor allen Dingen ungelöste Probleme einfach nicht ab (wohl ein typischer Charakterzug von Mathematikern), dass ich nicht aufgeben wollte. Ich habe das Kit letztendlich an meinen meinen uralten XP-Rechner angeschlossen, den ich eigentlich nur noch wegen Spellforce habe, und ein uraltes XP-Bandicam installiert.

Resultat: Alles einwandfrei.

Nun bin ich misstrauisch geworden und ganz, ganz laaaaaaaangsam auf die richtige Spur gekommen, denn unter Windows 10 ging die Sache auf allen 3 Rechner weiter nicht.

Und dann habe ich endlich die Ursache gefunden. Meine Sicherheitseinstellungen von Windows haben den Zugriff auf das Mikro blockiert. Der Mikrofonzugriff war genaugenommen komplett deaktiviert :-(.

Man, man, man. So kann man auch einen Tag verbringen. Ein Problem auf dem Niveau von fehlendem Benzin bei einer Autopanne, bei der man erst einmal den Motor zerlegt hat, bevor man das eigentlich triviale Problem erkennt. Zumal es vollkommen identisch auf eben 3 Rechnern aufgetreten ist. Aber ich nutze Sicherheitstools. Vermutlich haben die das dicht gemacht, ohne dass ich das bewusst gewählt hatte. Wobei nur der Zugriff auf das per USB angeschlossene Mikro blockiert war – das interne Mikro hat funktionert (wenn ich nicht vollkommen falsch mich erinnere), was die Sache noch tücksicher zum Entdecken macht. Wie gesagt – sowas hasse ich an den Remote-Aufnahmen und da ist es soviel besser, wenn man Vor-Ort-Aufnahmen macht.

Aber jetzt sollte den Aufnahmen nichts mehr im Weg stehen und ich habe wieder was gelernt (wenngleich auf Kosten meiner Nerven und viel überflüssigem Aufwand und Zeitverlust). Jedes System optimiert man oft bis zur Untauglichkeit, wie ich wieder bemerken musste.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.