Steuerklärung 2018 führt zu Banking-Apps und neuen Legitimierungsverfahren – zum Teil unsicher bis zur Fahrlässigkeit

Es ist Mistwetter und irgendwann muss ich auch meine Steuererklärung 2018 angehen. Also von daher habe ich in die sauere Banane gebissen und angefangen. Ein Teil von dieser Tätigkeit, die mir irgendwie vollkommen widerwärtig ist, ist das Beschaffen von Jahressteuerbescheinigungen bei Banken etc. Und wenn man sich dabei per Onlinebanking in den Bankingportalen anmeldet, nerven die Banken – sofern noch nicht gemacht – mit dem Hinweis, dass das iTan-Verfahren abgeschafft wird und man sich doch bitte schleunigst für das jeweilige neue Verfahren der Bank anmelden sollte.

Nun bin ich mir ehrlich gesagt gar nicht im Klaren darüber, was denn am iTan-Verfahren so unsicher gewesen sein soll? Da wird immer wieder auf Phishing-Mails verwiesen, auf die Anwender reingefallen sind. Aber DAUs werden auch bei den neuen Verfahren auf solche Phishing-Angriffe mit der Preisgabe aller relevanten Daten reagieren. Ich finde die iTan-Lösung sogar richtig sicher, weil man seine Tan-Listen irgendwo in einem Ordner versteckt hat, schön sauber jede verbrauchte Tan durchstreichen konnte und rein phyiskalisch eine perfekte Trennung der Daten hatte. Wenn man dann noch die Zugangsdaten in einem gut gesicherten Passwortsafe verwaltet – wo ist die Sicherheitslücke?

Ich gehe eher davon aus, dass das Verschicken und Verwalten der Tan-Listen auf Papier für die Banken zuviel Geld gekostet hat und dass viele Entscheider-DAUs in der Politik mit dem Verweis auf die Moderne getäuscht wurden. Natürlich ist mit Tan-Listen, die zuhause liegen, das mobile Banking von unterwegs schwieriger. Was m.E. ein erheblicher Sicherheitvorteil (!!) ist. Denn – und ich ahne schon, welcher meiner Kollegen hier widerspricht 😉 – mobiles Banking ist per Definition unsicher.

Und aus meiner Sicht auch vollkommen unnötig, aber da lasse ich gerne andere Meinungen zu. Bei der Sicherheit muss ich sie zwar auch zulassen, aber ich werde nicht einen Jota von meinem Standpunkt abweichen, dass man niemals und unter keinen Umständen „mobil“ Onlinebanking machen darf.

Ich vermeide schon unter allen Umständen einen W-LAN (wobei dessen Verschlüsselung natürlich eine gewisse Sicherheit bedeutet) und stelle sicher, dass mein PC (mit Linux) ausschließlich per Ethernet an dem Router hängt.

Aber man muss ja gar nicht so vorsichtig (paranoid? – mal sehen, wenn die ersten Attacken auf die mobile Banking-Jünger durch sind) sein – wie kann kann man denn einem SmartPhone oder Tablet Bankdaten anvertrauen? Da muss nicht einmal eine Banking-App so unsicher sein, wie meines Erachtens die von ING Dida ist (dazu gleich mehr).

Wir haben einmal die Datenspione von Apple und Google, welche die Betriebssysteminfrastruktur bereitstellen. Aber selbst, wenn die nicht mitlesen und das Bankinggeschäft protokollieren. Mir langt der Gedanke, dass ich parallel Apps auf dem Gerät habe, von denen ich nicht sicher bin, was die da machen.

Klar – auch bei einem Linux-Rechner verstehe ich nicht alles, aber da liegen Quellcodes offen und genügend Leute schauen sich die Sache an – vom Kernel bis zu den einzelnen Programmquellcodes. Auch wenn mir sicher viele (auch Fachleute) widersprechen – ich finde mobiles Onlinebanking ein NoGo – ein Relikt aus Zeiten, in denen man sich der Probleme mit Sicherheit noch nicht wirklich bewusst war. SmartPhones und Tablets sind einfach Spielzeuge, Unterhaltungsgeräte, Helferlein für die Bequemlichkeit des täglichen Lebens wie Navigation und Kommunikation etc. und vielleicht in kleinem Umfang Hilfsgeräte zum Arbeiten. Aber keine Geräte für kritische Vorgänge.

Und jetzt nochmal zu der App der ING Diba – die ist so mies gemacht, dass ich (vermutlich) alle meine Konten da kündige. Dort wird man zur Installation einer App mit Namen „Banking to go“ gezwungen, welche die komplette Transaktion bei Bankgeschäften in einer einzigen Anwendung zusammenführt, die lediglich per trivialer Zugangs-PIN geschützt ist. Ich bin fassungslos, wie man in heutigen Zeiten noch so eine Sache genehmig bekommt. Da regelt die EU jedes Kleinigkeit des täglichen Lebens und so eine gravierend unsichere und schlechte Technologie wird nicht verboten. Wirklich unglaublich.

Bei einer meiner anderen Banken werde ich zwar auch zu einer App gezwungen, aber die dient nur als TAN-Generator und das kann ich akzeptieren. Das Verfahren ist halbwegs sicher, soweit ich das überschauen kann.

**** Nachtrag ****

Mittlerweile habe ich rausgefunden, dass ING Diba auch die Möglichkeit des mTan-Verfahrens bereitstellt. Zwar ziemlich versteckt, weil wohl die App gepushed werden muss, aber damit muss man das SmartPhone auch nur als Tan-Generator verwenden, wo die Tan per SMS zugeschickt wird, und das ist ok.

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