Vibe Coding nur ein Zwischenschritt

Ich halte diesen Monat wieder eine Schulung in Cobol.

„Cobol ist tot!“

Klar – die Aussage kenne ich. Das wurde mir nach Ende meines Studiums bei meiner ersten Anstellung gesagt. Vor über 35 Jahren. Die Aussage war damals falsch und ist das im Grunde heute auch. Außer, man modifiziert sie.

Hinz & Kunz philosofieren (man kann auch „labern“ sagen) derzeit in allen denkbaren Sümpfen sozialer Netzwerke über Vibe Coding. Angeblich braucht es keine Entwickler mehr, denn KI würde Programme schreiben und als Vibe Coder bräuchte man nicht die geringsten Programmierkenntnisse. Diese Aussage will ich gar nicht hier zur Diskussion stellen. Sondern (provokant) sogar einen Schritt weiter gehen.

„Programmiersprachen sind tot!“

Damit natürlich auch Frameworks und all die Mode-Technologien wie Scrum, agile Programmierung und was es sonst noch an Buzzword-Bingo-Marketing-Sachen gibt oder gab. Denn damit erstellt man Quellcode und in letzter Konsequenz braucht man den nicht mehr, wenn die KI sowieso alles übernimmt. Was macht denn aktuell eine KI, wenn jemand mit Vibe Coding ein Programm erzeugen will? Irgendeinen Quellcode samt Ressourcen zusammenschustern und dann noch beschreiben, wie man ein lauffähiges Resultat bekommt. Aber wozu der Umweg über Quellcode? Das ist doch auch nur eine Krücke, um eine Mensch-Maschinen-Kommunikation auf Algorithmus-Ebene so zu gestatten, dass Menschen sich an ihre gewohnte Tagessprache erinnert fühlen.

Das kann man komplett beiseite lassen, wenn die KI doch sowieso das Zeug entwickelt. Wozu Quellcode, den Menschen immer weniger verstehen, weil KI das Wissen und die Fähigkeiten gezielt abtrainiert? Quellcode stört doch nur bei der Maschine-2-Maschine-Kommunikation zwischen KI (Maschine 1) und Programm (Maschine 2). Das Programm wird damit vollständig zur Black Box, aber letztendlich wird das m.E. der weitere Weg sein.

Bis zum großen Crash, dem das Abstellen der KI und die Rückbesinnung auf menschliche Intelligenz und Fähigkeiten folgt, was mühsam bei neuen Generationen wieder aufgebaut oder von Rentnern reaktiviert werden muss.

Aber wie ich schon einleitend sagte – das ist eine Provokation und ich empfehle immer noch Programmiersprachen zu lernen. Um dann bereit zu sein, wenn der Schaden durch KI nicht mehr zu übersehen ist und man Experten braucht, die den Karren aus dem Dreck ziehen.

Sind alte Sprachen besser als neue?

Neue Programmiersprachen und Frameworks gelten in der IT-Entwicklung als Maß der Dinge. Aber man findet in der letzten Zeit immer mehr Beiträge von echten Experten – und ich meine nicht „Senior“-Entwickler, die vielleicht 10 Jahre Praxis aufweisen können und oft nur neue Technologien kennen, sondern wirklich erfahrene Entwickler – auf Linkedin oder in Fachmedien, die Sprachen wie C, aber auch Fortran, Cobol bis hin zu Haskell als „besser“ im Vergleich zu neuen Sprachen und vor allen Dingen vielen Frameworks bezeichnen. Oder auch Aussagen, die JavaScript besser als TypeScript sehen, obwohl die Masse letztere Sprache wegen ihrer Vollkasko-Bequemlichkeit und zusätzlichen Sprachfeatures  zur Compile-Zeit als besser einschätzen. Was auch immer „besser“ meinen soll.

Ich finde dabei oft genannten Argumente sehr stichhaltig. Alte Sprachen sind schlanker, ressourcenschonender, näher an der Hardware, viel besser zu kontrollieren etc. „Sind alte Sprachen besser als neue?“ weiterlesen

KI-Führung statt konkreter Programmiersprachen?

Auf Linked wird gerade eine steile These vertreten, dass man bei Qualifikationen von IT-Fachkräften in Zukunft sogenannte „KI-Führung“ und keine konkrete Qualifikationen in Programmiersprachen mehr braucht. Unabhängig davon, dass ich den Begriff der „KI-Führung“ ziemlich schräg (vorsichtig ausgedrückt) finde, widerspreche ich der grundsätzlichen Aussage entschieden. Aus meiner Sicht wird das Gegenteil der Fall sein.

Ich stelle nicht infrage, dass die Anzahl der IT-Experten und -Jobs durch KI massiv schrumpfen wird. Aber es wird m.E. weiter relevanter Bedarf bestehen. Ich stelle auch nicht in Abrede, dass man KI nutzen wird. Und zwar selbstverständlich wie einen Editor oder Bildschirm. Das ist einfach ein Werkzeug und wer es nicht nutzt, hat verloren.

Nur ist „KI-Führung“ – was ich als „KI-Prompten“ verstehe – keine Qualifikation. Nicht mehr, denn in 2023 und 2024 gab es m.W. gerade in den USA sehr gut bezahlte Jobs als KI-Prompter. Die sind aber mittlerweile verschwunden. Es ist das Wesen der modernen KI in Form von Sprachmodellen, dass man sie intuitiv bedienen kann. Schon Schulkinder können das mittlerweile. Wo ist da noch eine Qualifikation, wenn Schulkinder eine KI dazu bringen Hausaufgaben zu lösen?

Wer jetzt sagt, dass das bei komplexer IT ja ganz anders ist, muss aber zwangsläufig meiner Argumentation folgen. Denn genau das ist der Denkfehler, wenn man „KI-Führung“ als relevante Qualifikation statt Grundschulwissen betrachtet.

„KI-Führung statt konkreter Programmiersprachen?“ weiterlesen

.NET und C# unter Linux

Da schau, meine Installationen von .NET 6 als auch .NET 7 gingen unter Mint Linux 21 einwandfrei durch. Und zwar keine „inoffizelle“ Sache wie Mono, sondern das „echte“ .NET von Microsoft. „.NET und C# unter Linux“ weiterlesen

COBOL-Unterlagen als Buch

COBOL wird schon lange tot gesagt. Es gibt jedoch unverändert zig Millionen von COBOL-Codezeilen. Gerade in Banken und Versicherungen werden COBOL-Programme immer noch eingesetzt und es ist nicht absehbar, dass diese Programme umgestellt werden. Deshalb beschäftige ich mich doch tatsächlich seit Mitte des letzten Jahres mit „echter“ COBOL-Programmierung. Warum „echter„? Mit COBOL ich mich nämlich schon seit Ende des Studiums zu tun. Konkret seit meinem ersten Job nach meinem Studium. Aber nicht mit der konkreten Programmierung von COBOL-Programmen. Sondern damit COBOL-Programme auf „modernere“ Techniken umzustellen und COBOL-Programmierer in neuen Programmiersprachen weiterzubilden. Ganz ehrlich – ich habe mich immer als eine Art „Totengräber“ von COBOL gesehen. Was auch daraus resultiert, dass ich an meinem ersten Arbeitstag direkt die COBOL-Workbench in die Hand gedrückt bekam. Mit den Worten:

„Wir haben noch eine Lizenz für dich gekauft, aber du wirst die nicht mehr brauchen.“

Allerdings hat man seit vielen Jahren nicht mehr in die Ausbildung von COBOL-Programmierern investiert und jetzt gehen die Programmierer so langsam in Rente, die COBOL beherrschen. Es besteht also ein wachsender Bedarf an frischem COBOL-Wissen. Das resultiert nicht zuletzt darin, dass bei Fachinformatikern und auch in Hochschulen wieder COBOL auf dem Lehrplan steht und Banken oder Versicherungen ihre Mitarbeiter wieder in COBOL ausbilden.

COBOL - Crashkurs
COBOL – Crashkurs

Diese Tendenz wurde mir 2016 immer deutlicher und deshalb habe ich mich vom „Totengräber“ zum „Sanitäter“ für COBOL gewandelt und erste Trainings dazu aufgebaut und gehalten. Etwa das Videotraining bei Video2Brain.
Aber auch Liveschulungen und da habe ich keine für mich brauchbaren Unterlagen gefunden. Die waren entweder viel zu teuer, vor allen Dingen viel, viel zu alt und haben mir auch sonst nicht gefallen.

Deshalb habe ich flux eigene COBOL-Unterlagen erstellt, die ich jetzt in ein Buch überführt habe. Ich bin also kein langjähriger COBOL-Programmierer, sondern eher ein kritischer, wenn auch treuer Begleiter, der aus der Sicht modernerer Sprachen COBOL beurteilt. Der Vorteil dieses vermutlich etwas ungewöhnlichen Blicks ist, dass ich aus der Verbindung vieler Sprachen eine Menge Lehren ziehen konnte und vergleichende Dinge sehe, die in dieses Buch einfließen.

COBOL - Einstieg und Grundlagen
COBOL – Einstieg und Grundlagen

Nun habe ich ja verschiedene Verlage, für die ich regelmäßig schreibe. Aber Rand- oder Nischenthemen (und dazu zählt ein neues COBOL-Buch auf jeden Fall – trotz der beschriebenen Aktualität bei der Ausbildung) sind da kaum unterzubringen. Deshalb habe ich das Buch – wie auch das HTML-Buch – im Selbstverlag publiziert.

HTML
HTML

Dazu wird demnächst auch noch ein alternativer Weg als Trainerunterlagen erscheinen.