Ältere Mitarbeiter sollen von DAX-Unternehmen aussortiert werden, da sie der digitalen Welt nicht gewachsen sind

Habe gerade auf Spiegel Online einen (letztendlich wieder mal ziemlich reiserisch betitelten und fachlich schlechten bzw. inhaltsleeren) Artikel gelesen, den ich aber aufgrund der Überschrift ausgewählt habe.

Angeblich sollen ältere Mitarbeiter (Baby-Boomer-Generation) von DAX-Unternehmen aussortiert werden, da sie der digitalen Welt nicht gewachsen wären.

Und so eine Schlagzeile betrifft mich natürlich. Nicht dass ich aussortiert werden könnte – ich bin mein eigener Chef und sortiere mich höchstens selbst aus. Und sicher nicht, weil mir die digitalen Kompentenzen fehlen. Auch dass ich zur Baby-Boomer-Generation gehöre (jaja – mein Kinnbärtchen ist wirklich so vollblond, dass es böswillige Zeitgenossen als weis bezeichnen, wobei ich es nur trage, damit ich nicht immer nach dem Perso gefragt werde – ob ich denn schon über 18 wäre?), ist nur perifer der Auslöser für den Post.

Mich wundert mehr, dass der Baby-Boomer-Generation die digitale Kompentenz abgesprochen wird. Das kann nur an dem schlechten Eindruck liegen, den digitale DAUs der Generation (also Politiker und oft auch Juristen) prägen.

Denn es ist diese Generation, die die komplette neue digitale Welt entwickelt hat und es ist die einzige Generation, die auch noch die alten IT-Systeme halbwegs kennt, die gerade im Finanzsektor noch Standard ist (COBOL lebt – wer das nicht glaubt, sollte man eine Versicherung von Innen aufsuchen).

Da das digitale Wissen exhorbitant abgenommen hat (ja abgenommen!) – wer soll denn diese digitale Fasade aufrechterhalten, wenn nur noch die überwiegend unerfahrenen und kaum kompetenten Jungen da sind?

Nicht falsch verstehen – die Fachinformatiker und Informatikstudenten, die ich seit Jahren ausbilde, sind zum Teil wirklich fit. Die können mit ihren 18 – 25 Jahren oft besser programmieren als ich es mit 40 Jahren konnte. Aber es sind eben ganz, ganz Wenige, die noch diesen Weg gehen. Nur die paar Exoten, die sich wirklich noch für IT interessieren. Das, was die politischen DAUs und wohl auch inkompenten Entscheider von Unternehmen als „digitale Kompetenzen“ fehlinterpretieren, ist ein bisschen Wischen auf dem SmartPhone und Geblubber in sozialen Netzwerken. Das kann man einem Affen in einer Woche beibringen.

Nicht umsonst kann sich im Moment Jeder, der echte digitale Kompentenz hat (Programmierung, Softwarearchitektur, Sicherheit, Softwaredesign, Netzwerktechnik, Big Data, etc.), seine Jobs aussuchen und potentielle Arbeitgeber zum devoten Kniefall zwingen.

Diese DAX-Unternehmen, die dermaßen ihr Kapital verbrennen wollen, werden vermutlich mit Abstüzen im DAX-Index bestraft und man sollte dringend deren Aktien loswerden.

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