Autonomes Fahren

Wer mich ein bisschen kennt oder meine Posts etc. verfolgt, hat sicher mitbekommen, dass ich absolut kein Freund von der zunehmenden Verseuchung von Autos durch „smarte“ Geräte und Demenzsysteme bin. Ich habe über lange Zeit ernsthaft überlegt, ob ich nicht als nächstes Auto einen Youngtimer oder Oldtimer kaufe, um diesem Mist auszuweichen. Nur als es mein alter Forester etwas überraschend vor einigen Wochen nicht mehr über den TÜV geschafft hatte, habe ich doch ziemlich kurzfristig ein neues Auto gebraucht und keine Zeit zum Suchen eines passenden Youngtimers oder Oldtimers. Es stand eine Urlaubsreise an und ich muss ja vor allen Dingen zu meinen Schulungen kommen. Die unzuverlässige Bahn ist da keine Alternative, denn ich muss Termine einhalten und das kann ich damit nicht, wie mir zuviele Schüsse in den Ofen schon bewiesen haben. Von logistischen Problemem mit dem Transport von Materialien sowie Locations ganz ohne vernünftigen Bahnanschluss ganz zu schweigen.

Also habe ich mich doch wieder für ein (fast) neues Auto entschieden und ich bin bei meinem Modell (genaugenommen den übernächsten Nachfolger) geblieben. Dass mir da nach wenigen Kilometern der Motor um die Ohren geflogen ist, ist ein ziemlich ausgewöhnlicher und ärgerlicher Zufall, der zwar erst einmal mein Vertrauen in die „angeblich zuverlässigste“ Automarke der Welt erschüttert hat, aber jeder verdient eine 2. Chance. Ich habe mittlerweile einen komplett neuen Motor drin und auch viele andere Agregate im Motorraum, die das rausgeschossene Pleul beim Aufräumen im Motorraum zerlegt hatte, sind komplett neu. Dazu hat mir Subaru die Garantie auf 7 Jahre verlängert. Wenn man von eventuellen Problemen beim Wiederverkauf wegen dem Motortausch absieht, habe ich im Grunde aus der Explosion eine Wertsteigerung gezogen. Umd mein alter Motor wird in Japan der Gegenstand massiver Untersuchungen, bevor da vermutlich Köpfe rollen.

Nun hat aber der neue Forester genau die smarten Verbindungsmöglichkeiten und Assistenzsysteme drin, die ich bei modernen Autos immer verteufele. Zumindest zum Teil. Man bekommt aber keine neue Karre ohne den Mist mehr und meine Entscheidung für den Wagen als auch statt einer Rückabwicklung es mit einem neuen Motor zu versuchen basiert nicht auf den Systemen, sondern den übrigen Vorteilen, die ich bei dem Wagen sehe und beim Vorgänger schon geschätzt hatte. Nur ich habe jetzt halt auch diese smarten Verbindungsmöglichkeiten und Assistenzsysteme und muss mich damit auseinandersetzen.

Ich hatte schon an anderer Stelle gelästert, dass die Informationsflut in neuen Autos m.E. ein Sicherheitsrisiko darstellt und verboten gehört. Zumindest während der Fahrt. Das ist Ablenkung hoch drei.

Andere Systeme nerven nur wie etwa das Gebimmel, wenn irgendjemand im Wagen nicht angeschnallt ist. Alle Nanny-Systeme, die mich als dummes Kind behandeln, würde ich am liebsten kurz und klein schlagen. Im alten Forester hatte ich den Sensor ausbauen lassen. Mal sehen, ob das hier auch geht.

Aber es gibt ein System im neuen Forester, das ich auf meinen ersten Fahrten wirlich zu schätzen gelernt habe – das sogenannte SUBARU EYESIGHT-System. Das ist ein Fahrerassistenzsystem, das fast schon autonomes Fahren erlaubt. Es gibt da einen Notbremsassistenten, der wohl in allen bisherigen Tests alle anderen Notbremsassistenten ausgestochen hat, und einen Tempomat, der vorausfahrende Autos erkennt und selbständig den Abstand regelt und die Geschwindigkeit anpasst. Dazu überwachen zwei Objektive einer Stereokamera das Geschehen auf der Straße, indem sie dreidimensionale Farbbilder aufnehmen und diese mit einer Bilderkennung verarbeiten. Daraus kann das System Form, Geschwindigkeit und Abstand des Gegenstands voraus ermitteln. Dazu gibt es noch einen Spurhalteassistenten, der beim Überfahren von Linien auf der Strasse entweder nur piepst oder gar zurücklenkt. Dieser Assistent nervt mich aber eher (beim reinen Piepen) und stört mich sogar (beim Eingriff in die Lenkung). Den werde ich wohl kaum verwenden – höchstens bei langen und monotonen Nachfahrten.
Nun habe ich ja wie gesagt einen komplett neuen Motor im Auto und auch bei modernen Autos sollte der ein bisschen eingefahren werden. Da ich beruflich jetzt mehrere Tage in Köln bin und gleich 3x da Anfahren muss, sind die Autobahnkilometer dazu perfekt. Und da ich bei einem neuen Motor nicht zu schnell fahren sollte, bin ich gestern bei der Fahrt von nach Köln und zurück (das war nur ein Tag die Woche und deshalb die große Tour ohne Hotel) überwiegend mit dem Tempomat gefahren. Auf der Autobahn 110 Km/h eingestellt und das Ding machen lassen. Bremsen und Beschleunigen voll automatisch. Das war extrem entspannt und dazu die bequemen Sitze und die komfortable Fahrwerksabstimmung vom Fori (gar kein Vergleich zu dem brettharten A4, den ich einige Tage als Leihwagen fahren musste und bei dem mir nach 100 Km der Rücken fast durchgebrochen ist – oder auch unserem Polo, wo das ebenfalls der Fall ist – warum gibt es nur keine bequemen deutschen Autos?) bin ich richtig entspannt bei meiner Schulung eingelaufen. Und durch die Schleicherei kam ich auf einen Verbrauch von 6,8 Liter/100 Km. Was für ein so schweres SVU mit Vierradantrieb und Boxermotor richtig gut ist. Nur etwas Stress kam bei der Dauergeschwindigkeit von 110 Km/h auf, da mich ständig Busse und Autos mit Anhänger versucht haben zu überholen. Außerdem sind Überholvorgänge meinerseits recht langwierig gewesen und da musste ich dann doch manuell zulegen, um nachfolgenden Verkehr nicht zu behindern.
Alles in Allem ist das EYESIGHT-System in Verbindung mit dem Spurhalteassi aus meiner Sicht ein großer Schritt in Richtung automones Fahren. Auch wenn ich gerne selbst die Kontrolle beim Fahren behalte und viele Autofahrer sogar ein Automtikgetriebe schon ablehnen, weil es zu „unsportlich“ oder so ist – auf langen Autobahnfahrten könnte ich mich sogar mit einem voll autonomen Fahren anfreunden. An Vorteile für alte Leute und körperlich eingeschränkten Personen möchte ich auch mal erinnern, denn diese würden in der Mobilität erheblich verbessert. Features in Richtung autonomes Fahren gehören zu den wenigen Neuerungen bei Autos, die ich akzeptieren kann.

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