Informations-Overkill im KFZ

Ich habe ja seit wenigen Wochen mein altes KFZ durch ein neues Auto austauschen müssen, da der TÜV an dem alten Gefährt doch massive Abnutzungserscheinungen bemängelt hat. Eine Beseitigung hätte in keinem Verhältnis zum Restwert gestanden.

So ganz unerwartet kam das aber nicht und ich hatte schon lange überlegt, ob ich mir nicht ein neues Auto zulegen sollte. Aufgrund der immer mehr zunehmendes Elektronik, der nicht mehr möglichen Eigenwartung von Autos sowie exhorbitant steigender Preise beim Austausch oder der Reparatur kleinster Teile bzw. Schäden war ein Oldtimer oder zumindest Youngtimer wirklich in engerer Wahl. Aber dann hätte ich eigentlich auch meinen alten Forester wieder aufbauen lassen können. Und da ein Auto für mich nur ein reiner Gebrauchsgegenstand ist, wollte ich nach der Scheidung durch den TÜV keine Zeit und Energie in ein so unwichtiges Thema stecken, sondern möglichst schnell dieses leidige Thema vom Tisch haben. Also habe ich schweren Herzens doch einen Neuwagen (genauer Vorführwagen von Anfang 2018) genommen. Auch wenn man Neuwagen nicht mehr ohne all diese Demenzsysteme bekommt, die ich weder brauche noch haben will, weil sie im Fehlerfall doch reparaiert werden müssen – ohne dass sie wie gesagt für mich einen Mehrwert, sondern meist nur Belästigung bieten.

In meinem neuen Forester sind glücklicherweise nicht ganz so viele nutzlose Assistenzsysteme drin, wie in vielen anderen Autos. Trotzdem ist das auch bei dem Karren schon extrem, was da mittlerweile eingebaut wird. Und ich hoffe wirklich, dass das Zeug stabiler läuft als vergleichbare Systeme auf einem PC. Denn ein Absturz des Notbremsassistenten ist nicht wirklich nett – denn das ist die Gefahr. Diese Systeme verleiten dazu sich darauf zu verlassen. Das ist leider menschlich und wird von der Automobilindustrie ignoriert oder – wenn man böswillig ist – sogar vorausgesetzt. Ich hoffe, dass ich nicht so dumm oder faul werde und mein Gehirn beim Einsteigen ins Auto abgebe. Denn wie gesagt – diese ganzen Systeme verleiten dazu.

Ich kann nach meinen ersten Erfahrungen mit dem Eyesight-System und dem Spurhaltesystem in dem Forester auch nicht verleugnen, dass so ein teilautonomes Fahren extrem bequem ist. Das ist mehr als ein einfaches Tempomat, denn das System hält einen Sicherheitsabstand ein und bremst und beschleunigt selbsttätig. Und wenn man eindöst und den Seitenstreifen berührt, wird man gewarnt und sogar in die Spur zurückgebracht. Das Zeug hat für mich etwas von der Faszination des Ekels. Ich hasse Assistenzssysteme, aber dieser Kombination kann ich einfach den Reiz nicht absprechen. Gewissenskonflikt und wie gesagt die Befürchtung, dass man als Fahrer im Fall des Falles nicht wirklich bei der Sache ist.

Und dann ist da auch noch die Kamera am Heck. Ich kann ohne Hilfe auf Zentimeter rückwärts einparken (was man in Ballungszentren lernt oder aber man findet nie Parkplätze), aber mit der Kamera ist das schon bequem. Aber auch hier fürchte ich, dass ich ewig antrainierte Techniken damit auf Dauer verlerne.

Und dann hat mein Auto auch Kurvenlicht. Das ist zugegeben einfach nur gut. Hatte ich aber bei meiner DS21 aus dem Jahr 1973 auch schon.

Nun sind diese Systeme wie gesagt alle m.E. vollkommen unnötig, aber sie bequem und werden – wie beim Untergang des römischen Reichs – zu einer Art Dekadenz führen, wenn ich nicht aufpasse.

Was aber gar nicht geht, ist der Overkill an Informationen, der auf den Fahrer einprasselt. Es gibt gleich drei Anzeigen in der Karre, die jeweils so überladen sind, dass man wichtige Informationen gar nicht findet und total abgelenkt wird. Das ist einfach nur ein Sicherheitsrisiko. Warum muss ich während der Fahrt angezeigt bekommen, welche Räder welche Traktion haben? Oder was mein Durchschnittsverbrauch ist? Oder welcher Titel gerade von der CD gespielt wird? Und, und, und ….

Das kann ja alles für Spielkinder angezeigt werden, wenn das Auto steht. Aber während der Fahrt gehören alle Anzeigen, die nicht elementar sind, ausgeblendet. Und wirklich wichtige Informationen auf maximale Klarheit angezeigt. Das ist in modernen Autos (und da ist der Forester leider auch dabei) einfach nur grottenschlecht gelöst. M.E. sollte hier der Gesetzgeber solchen Overkill wirklich verbieten.

 

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