Glasfaser als Königsweg? Oder Auslaufmodell?

Ich habe zwei Standorte, zwischen denen ich meine Aktivitäten aufteile: Bodenheim und Eppstein. Der „zentrale“ Ort ist zwar Bodenheim, aber Eppstein ist mit „Zweitbüro/Zweiwohnung“ immer noch wichtig.

Nun ist aber leider die Internet-Versorgung genau umgekehrt gestaltet. In Bodenheim hänge ich bei DSL-Schneckentempo fest und es ist nicht absehbar, dass hier in den nächsten Jahren irgendwas passiert. Zwar wurden die Neubaugebiete mit Glasfaser verkabelt, um neue Einwohner zu ködern. Aber für „Bestandskunden“ bleibt wie üblich der Abfall. Wobei das zugegebener Maßen Jammern auf hohem Niveau darstellt, denn DSL16000 ist zumindest in vielen Situationen erträglich. Dennoch – der theoretische Datendurchsatz wird ja nie erreicht und wenn man gerade mal 10 MBit/s im Download hat, kann das Internet bei mehreren Rechnern, Tablets, etc. schon ziemlich hängen. Zumal das Zeug ja asymetrisch ist und der Upload lächerliche 1MBit/s erreicht. So eine asymetrische Aufteilung war in frühreren Jahren, in denen die Leute nur Internet konsumiert haben, sicher sinnvoll. Aber wenn man Internet-Telefonie, Videokonferenzen oder einfach mit VPN remote arbeiten will, ist das eben eine massive Bremse. Symetrische Verträge sind jedoch unverschämt teuer im Vergleich zu der DSL-Standardware.

In Eppstein hingegen soll die gesamte Kleinstadt mit Glasfaser versorgt werden, wenn sich genügend Haushalte voranmelden. Nur da brauche ich es eigentlich nicht, denn da sind einmal weniger Verbraucher an dem DSL1600-Schneckenanschluss und ich nutze dort eher weniger Internet. Verkehrte Welt.

Aber die Frage, die ich mir im Moment mehr stelle – braucht es überhaupt Glasfaser? Oder versuchen da die Firmen nur eine Investition, die sie irgendwann einmal getätigt haben, noch an den Mann zu bringen, obwohl die Kuh schon längst tot ist? Und die Politiker lassen sich wie immer von den Karren von Lobbyisten spannen?

Denn auch heute schon sind mobile Internetzugänge (theoretisch) viel schneller als DSL. LTE kann Durchsatzzahlen liefern, da kann man DSL in die Tonne treten. Und mit dem kommenden G5-Standard sollte man auch Glasfaserleitungen obsolet machen können. Es müssen keine Straßen mehr aufgerissen werden und von dem gesparten Geld könnte man locker die notwendigen Sendemasten finanziieren.

Natürlich ist mir klar, dass der Datendurchsatz von der Anzahl der Nutzer in einer Funkzelle abhängt und bei schlechtem Wetter die Verbindung einbrechen kann. Aber dennoch – Festnetzanschlüsse (gleich ob für Telefon oder Internet) sind m.E. ein Relikt der Vergangenheit. Schon jetzt nutzt ja die Telekom bei einigen Verträgen eine Koppelung von DSL und LTE, um bei Bedarf die Geschwindigkeit zu steigern. Ich wundere ich sowieso, warum das nicht die Konkurrenten auch anbieten. Denn das Konzept ist trivial:

  • Einfache Festnetzleitung (zur Not ganz, ganz, ganz langsames DSL bis runter auf antikes ISDN)
  • Kleines Serverprogramm, das die Geschwindigkeiten per Leitung und Funk kontrolliert.
  • Loadbalancer mit Verteilung der Anfragen auf die beste Verbindungsstrecke

Sowas Bereitzustellen ist im Niveau für Fachinformatiker im ersten Lehrjahr eine gute Aufgabe. Aber die Telekom lässt sich das ob fehlender Konkurrenz extrem überteuert bezahlen. Tja – der Markt regelt den Preis.

Ich verteile im Moment die Last noch manuell und schalte einfach per SmartPhone und Tethering einen W-LAN, wenn mir meine DSL-Leitung für alle Anfragen zu wenig hergibt. Aber mal sehen – vielleicht automatisiere ich das demnächst. Natürlich braucht es da eine Flatrate für LTE bzw. neuere Standards und meine 8 GByte/Monat sind da schnell weg. Aber da werden in Zukunft auch bessere Verträge sicher kommen.

Letztendlich werde ich wohl entweder den Festnetzanschluss komplett aufgeben oder eher einen Downgrad machen, um zumindest noch eine Notverbindung zu haben, wenn die schnellen Mobilverbindungen ausfallen oder einbrechen. Oder um smarte Geräte zu erreichen, denn die brauchen eine dauerhafte Leitung (aber nicht mit wirklich hohem Datendurchsatz). Was zum Fazit führt, dass Glasfaser m.E. ein Auslaufmodell ist.

 

 

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