Sind Influencer Scheinselbständige?

Ich habe gerade einen sehr interessanten Artikel auf Golem.de gelesen. Wobei mich die Überschrift erst einmal in die falsche Richtung gelenkt hat. Denn die erzeugte bei mit den Schlagworten IG Metall, bessere Arbeitsbedingungen, Youtuber, Scheinselbständigkeit und Influencer den klassischen Beißreflex.

Ich reagiere insbesondere immer dann aggressiv, wenn es an die sogenannte Scheinselbständigkeit geht. Denn damit hatte ich auch schon mal zu kämpfen. Gerade als Freiberufler ist man immer im Fokus von Interessenverbänden, die einen in irgendwelche Abhängigkeiten zwingen wollen, um freie Leute zu kontrollieren oder zu melken. Zwar bin ich durch meine Art des Studiums halbwegs geschützt und habe mittlerweile einen solch umfangreichen Kundenstamm, für den ich regelmäßig arbeite, aber ich bin immer noch „traumatisiert“, wie sehr in Deutschland Selbständigkeit und Eigenverantwortung bekämpft wird. Wie ich halt schon mehrfach angemerkt habe – die Tradition in Deutschland ist und bleibt der Obrigkeitsstaat und Freiheit wird als Gefahr gesehen. Und leider reihen sich oft auch Gewerkschaften in den Kampf gegen die unabhängige, eigenverantwortliche Arbeit ein. Auf der anderen Seite sind dann in der Überschrift und Einleitung eben Influencer als Schlagwort aufgetaucht, und ich muss mich leider outen, dass ich deren Existenz bzw. Tätigkeit zumindest als überflüssig, wenn nicht nur nervend erachte. Aber da bin ich ein Kind meiner Zeit und meines kulturellen Background. Oder einfach nur zu alt – was ich bei den anderen Dingen rund um das Internet (gerade die technischen Aspekte und den Datenschutz bzw. die Sicherheit) definitiv nicht eingestehe.

Also habe ich den Artikel auf Golem.de mehr oder weniger nur gelesen, um meine Vorurteile aus besagten zwei thematischen Ecken bestätigen zu lassen. Aber das Resultat des Lesens war ein anderes. Denn es geht bei der Aktion der IG Metall in Kooperation mit einigen Youtubern sogar um einen sehr vernünftigen Schritt. Die Klage auf Scheinselbständigkeit der Influencer ist nur das Vehikel, um für diese Rechte einzuklagen. Hintergrund ist, dass vor allen Dingen Youtube die Werbeeinnahmen und damit die Geschäftsbeziehungen zu Partner (Influencern) immer wieder einseitig und nicht kalkulierbar ändert (verschlechtert). Und man muss sich an Knebelverträge und knallharte Weisungen durch Youtube halten, sonst fliegt man aus dem Programm. Hier setzt die Klage an – das ist nicht mehr Selbständigkeit als bei einer abhängigen Beschäftigung ohne eigene Entscheidungsfreiheit. Dem muss ich zustimmen.

Aber letztendlich denke ich, dass man sowieso keine Selbständigkeit auf einer ausschließlichen Abhängigkeit von einem amerikanischen Monopolisten aufbauen kann. Die Zeit, wo man als Einzelperson oder kleine Firma mit Klickwerbung Geld verdienen konnte, ist m.E. vorbei.

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