Behörden in Bayern sollen Faxe abschaffen

Gerade habe ich einen Beitrag gelesen, dass in Bayern der neue Digitalminister Faxe in Behörden abschaffen will. Im ersten Moment ist mir nur „endlich“ in den Sinn gekommen, denn Faxe stehen  ja sinnbildlich für Rückständigkeit. Das ist auch die Argumentation des Politikers. Die Verwaltung dürfe nicht bürokratisch, verstaubt oder antiquiert daherkommen. Aber die Kommentare der meisten ITler widersprechen und sind nach etwas Überlegung ziemlich logisch. „Unsinn und reiner Populismus“ als Überschrift eines der Kommentare trifft es m.E. besonders gut. Denn Faxe sind in der Tat bereits extren effizient digitalisierte Daten. Wer behauptet, dass man diese ausdrucken muss? Empfang auf zentralem Router (was etwa eine Fritzbox locker kann), Anzeige auf dem Monitor,  Speichern im zentralen Storage, vielleicht gleich noch OCR drüber laufen lassen und dabei indizieren samt Speichern in einem Dokumentenverwaltungssystem und gut ist es. „Behörden in Bayern sollen Faxe abschaffen“ weiterlesen

Karteikartenabschrift? Ei, dann komme se doch vorbei

Um für meine Umschreibung des Führerscheins eine sogenannte „Karteikartenabschrift“ zu erhalten, habe ich mich über deren Webformular an die ursprünglich ausstellenden Behörde gewendet, da auf deren Webseite kein versprochenes Onlineformular zu finden ist. Antwort der Behörde – gehen Sie auf die Webseite, machen Sie einen Termin und kommen Sie vorbei.

Ich fasse es nicht. Ich muss zu der Behörde in Oppenheim, nicht Hofheim. Und in Oppenheim machen die nix ohne diese „Karteikartenabschrift“, in Hofheim aber nicht die Umschreibung, weil sie ja nicht mehr zuständig sind.

Nun ist Hofheim für mich noch erreichbar, aber wie stellen die sich das vor für Leute, die weiter weggezogen sind? Mal schnell von Hamburg nach München fahren, um eine Karteikartenabschrift mitzunehmen? „Karteikartenabschrift? Ei, dann komme se doch vorbei“ weiterlesen

Karteikartenabschrift oder wie Deutschland digitale Steinzeit festschreibt

Ich bin langsam reif für einen vollkommen überflüssigen und ärgerlichen Bürokratievorgang, dem ich mich aber leider stellen muss. Ich soll meinen Führerschein (ein edler grauer Lappen) durch ein Plastikkärtchen ersetzen. Aber damit es nicht einfach geht, brauche ich eine sogenannte „Karteikartenabschrift“ der ursprünglich ausstellenden Behörde. Das kann nur vermieden werden, wenn man noch im gleichen Zuständigkeitsbereich wohnt.

Was auch immer diese „Karteikartenabschrift“ sein soll – warum kann die aktuelle Führerscheinstelle nicht einfach diese Daten abrufen? Arbeiten die mit Buschtrommeln oder was? Es soll mittlerweile Computer geben.

Das ist so lächerlich. Schlimm genug, dass man diese unnötige Neuausstellung beantragen und auch noch selbst bezahlen muss. Die Behörden bekommen es nicht einmal hin, bereits vorhandene Informationen selbst aufzurufen. Angeblich gibt es Onlineformulare, diese „Karteikartenabschrift“ zu beantragen, aber die sind bei meiner alten Führescheinstelle nicht zu finden.

Wenn man ohne die Umschreibung weiter fährt, kostet es bei einer Kontrolle 10 EUR. Eine sehr verlockende Aussicht, diesen bürokratischen und überflüssigen Mist einfach zu ignorieren. „Karteikartenabschrift oder wie Deutschland digitale Steinzeit festschreibt“ weiterlesen

Neuer Lehrauftrag an der TH Bingen im kommenden Semester

Eben habe ich meinen Lehrauftrag für das nächste Semester an der TH Bingen unterschrieben und bin wegen der überbordenden Bürokratie auf 180. Ich halte Ende März wieder eine Vorsemester-Veranstaltung zur Entwicklung von plattformneutralen Apps auf Basis von Cordova. Das habe ich schon ein paar mal gemacht und auch wenn Cordova nicht mehr der neuste Schrei ist, finde ich die Idee immer noch sehr interessant. Mit Flutter und Xamarin werde ich aber auch ein paar Alternativen – wenngleich mit anderem Ansatz – einfließen lassen.

Obwohl es als Lehrbeauftragter nur recht kleines Geld gibt – ich halte solche Vorlesungen schon seit mehreren Jahren in verschiedenen Varianten und zu mehreren Themen (früher an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden und seit 2016 an der Hochschule Bingen) und auch sehr gerne. Aber der bürokratische Aufwand, der mittlerweile damit einhergeht, verleitet den Spass.

Es ist ist unmöglich, was da an Formularen von der TH Bingen im Vorfeld gefordert wird.

Mehrfach zu unterzeichnende Lehraufträge. Auf Papier. Ok, das kann man noch tolerieren, wenngleich es natürlich DocuSign & Co gibt. Gerade bei einer technischen Hochschule sollte man erwarten, dass solche Techniken da bekannt sind und angewendet werden. Aber sei es drum – mit dem Zeug kann ich leben.

Aber nicht damit, dass ich zig Datenschutzverordnungen und sonstige Formulare ausfüllen musste. In 3-facher Ausführung und von A-Z von Hand. Name, Adresse, Funktion, Ort, Datum, Unterschrift. Dass ich meine Stunden dann auch wieder auf Papier dokumentieren und abrechnen muss, ist nur ein weiterer Stein in der Bürokartiemauer.

So lächerlich, umständlich, unbequem und Steinzeit, dass es mir vollkommen verleitet wird, noch einmal so einen Lehrauftrag anzunehmen. Die Zeit, die ich da brauche, ist zwar nicht die Welt. Aber diese lächerliche Bürokratie regt mich auf. Ich komme mir da – vor allen Dingen mit den Strafandrohungen in diesen angeblichen Datenschutzformularen – vor wie ein Schwerverbrecher, der um Begnadigung ersucht. Solche Zumutungen habe ich nicht einmal gehabt als ich für Polizei und ähnlichen Behörden oder Firmen mit sensiblen Daten gearbeitet habe. Auf der einen Seite kaum Geld zahlen wollen und auf der anderen Seite noch unverschämte Forderungen haben und Steine in den Weg legen – geht es noch? 🙁

Wobei die TH Bingen an sich nicht der richtige Adressat für meinen Zorn ist – die zuständigen Behörden im Hintergrund gehören endlich mal aus der Steinzeit abgeholt. Da muss man sich nicht wundern, dass kein IT-ler für Behörden irgendetwas machen will.

Deutschland, Deine Bürokratie und IT-Rückständigkeit

Vor ein paar Tagen habe ich mein virtuelles Vorsemster-Seminar zu Cross Plattform Entwicklung mit Cordova an der TH Bingen erst einmal beendet bzw. bis zum Ende des Semesters mit 2 (vermutlich) Präsentationstagen der Ergebnisse der Semesterarbeiten unterbrochen. Gestern kam ein Brief von der TH mit dem offiziellen Lehrauftrag bzw. Vertrag.

Im Grunde nicht bedeutend, aber dabei ist mir wieder die unendliche Bürokratie und Rückständigkeit aufgefallen, wenn man in Deutschland etwas mit offiziellen Stellen zu tun hat. Natürlich kommt der Vertrag noch auf Papier und so etwas wie DocuSign will ich nicht fordern, geschweige denn erwarten. Es sind Behörden. Die dreifache Ausfertigung ist natürlich auch typisch Deutsch. Nicht umsonst ist hier auch Klopapier meist dreilagig.

Aber da war noch ein Bürokratie-Zeug dabei, dass ich nur den Kopf schütteln kann. Von einem Blatt zum Datenschutz mit vollkommen an der Realität vorbeigehenden Ausführungen/Anordnungen über ein Corona-Merkblatt mit Regeln, die man seit einem Jahr schon auswendig kennt. Beides war aber noch mal zu bestätigtigen – als hätte man diesen Mist die letzten Jahre und Monate nicht schon zig Mal zur Kenntnis genommen und immer und immer wieder diese Tatsache bestätigt.

Die Krönung ist, dass meine Stundenabrechnung auf Papier (!!) erfolgt. Ich muss handschriftlich (!!) jede gehaltene Stunde eintragen. Man sollte bedenken, dass das T in TH für „Technische“ steht. Da lacht die ganze Welt über deutsche Behörden, weil sie noch Fax verwenden, und eine Hochschule mit modernsten Ansprüchen erwartet Kommunikation und Abrechnung auf Papier und per Post. Wobei ich die TH zumindest teilweise in Schutz nehmen muss – die Abrechnung geht über das Landesamt für Finanzen und mit denen hatte ich auch schon direkt bei Schulungen dort zu tun. Damit sollte mich dieses Level im Grunde nicht überraschen. Das ist nicht nur eine unmögliche Bürokratie, das ist auch technische Steinzeit. Zumindest das Niveau vor Einführung von Computern.

Ghana als Vorbild für unsere Gesundheitsämter – keine Satire

Da die Nachverfolgung infizierter Corona-Kranker in den deutschen Gesundheitsämter extrem schlecht ist, gibt es mittlerweile interessante Länder als Vorbilder, wie man es richtig macht. Während in Deutschland in Behörden noch mit Fax und teils handschriftlicher (!!) Erfassung von Daten gearbeitet wird und – falls doch IT zum Einsatz kommt – jedes Bundesland bis teils nach ganz unten zu verschiedenen Behörden mit unterschiedlicher Software (teils selbstgestrickt) arbeitet, wurde im ZDF Ghana (ab 12:30 im Video der Mediathek) als Vorbild  vorgestellt. Zusammen mit anderen Ländern in Zentralafrika bekommen die Leute und Behörden da die Nachverfolgung von Epidemien seit vielen Jahren bereits perfekt in Griff.

Da sieht man, wie es IT-Technisch um Deutschland steht. Vor allen Dingen in Behörden :-(.

Noch abstruser – Ghana arbeitet zur Verfolgung Erkrankter mit einer Software aus Deutschland (was etwas optimistisch stimmt, dass zumindest die IT-Fachbrance auf internationalem Niveau ist). Aber die bekommen die deutschen Gesundsheitsämter nicht gebacken.